Barclay James Harvest

Mel Pritchard


Kondolenzbuch          englisch          Präsentation über Mel von Christian Symank (Powerpoint .pps, 1.1Mb)

Mel Pritchard, 1948 to 2004


Melvyn Paul Pritchard, seinen Freunden besser als Melve und Legionen von Barclay James Harvest-Fans als Mel bekannt, war einer der großen Rock-Schlagzeuger. Geboren in Oldham am 20. Januar 1948, traf er Les Holroyd, mit dem er eine lebenslange Freundschaft teilen sollte, im sehr jungen Alter:
     "Es war im Sandkasten, weil es in der Vorschule war, so weit geht es zurück. Er wohnte in der nächsten Straße – unsere Eltern kannten sich."

Mel begann Schlagzeug zu spielen, nachdem er sich seines Vaters Ukelele-Banjo ausgeliehen hatte and fand, daß es viel bessere Töne von sich gab, wenn er die Saiten abmachte und darauf herumschlug! Mel und Les gingen zusammen zur Derker Secondary Modern Schule, wo sie der Schulband beitraten und dann Heart And Soul And The Wickeds gründeten. Die Band bekam einen guten Ruf dadurch, daß sie halbprofessionelle Gigs in Live-Kreisen gab. Mel hatte zusätzlich noch seinen Tagesberuf als Zentralheizungsingenieur. 1966 stieg der Leadgitarrist der Wickeds aus, um einer Karriere als Lehrer nachzugehen, und Les und Mel fragten John Lees von den Keepers, einer anderen lokalen Bluesgruppe, ob er die Lücke füllen würde. Das Endresultat war eine neue Band mit Les, Mel, John und Woolly Wolstenholme, der auch von den Keepers war.

Im Frühling 1967 fiel die Band, inzwischen bekannt als The Blues Keepers, dem Unternehmer und Boutiquenbesitzer John Crowther auf, der sie überredete, professionell zu werden. Mel gab seinen Beruf als Heizungsingenieur auf und wohnte mit ihnen in John Crowthers Farmhaus in den Yorkshire Moors bei Diggle. Um den neuen Anfang hervorzuheben, fanden die Bandmitglieder einen neuen Namen für die Gruppe, und Barclay James Harvest war geboren. Mel sagte:
     "Also, den Namen behalten wir höchstens einen Monat."!

Mels frühe Helden waren mitunter Simon and Garfunkel, John Lennon und The Band, und Drummer, die seine Technik beeinflußten, waren von Carmine Appice von Vanilla Fudge und später Jeff Porcaro von Toto. Sein Stil wurde schnell ein essentieller Teil des BJH Sounds, so eindeutig wie das Mellotron und die schwebende Leadgitarre, die in frühen Klassikern wie "Mocking Bird" und "She Said" ihre Markenzeichen wurden. Wenn man sich die kürzlich erschienene Aufnahme eines BBC-Konzerts von Band und Orchester von 1972 anhört, wird die Kombination von Power und Subtilität in Mels Stil deutlich.

1969 bekam er ein großes Kompliment, als ihn Fairport Convention baten, an der Audition für ihren neuen Drummer teilzunehmen, nachdem Martin Lamble in einem Verkehrsunfall gestorben war. Mel lehnte die Gelegenheit aber ab, wie er später in seiner typisch bescheidenen Art erklärte:
     "Zuerst wurde natürlich mein Ego ordentlich massiert, als sie mich fragten. Um ganz fair zu sein, glaube ich nicht, daß ich an den Standard herankam, den sie suchten, ganz ehrlich. Natürlich bekamen Fairport die besseren Gigs und mehr Geld. Zu der Zeit war Fairport eine große Band und auch eine verdammt gute Band, und es war einfach diese Sache, die sich den ganzen Weg durch BJH zieht, diese Art Treue. Man kann dafür keinen Preis nennen."

1973 heiratete Mel seine Freundin Janet, und Barclay James Harvest unterschrieben beim Polydor-Label. Einige von Mels feinsten aufgenommen Momenten kamen in den nächsten paar Jahren. Everyone Is Everybody Else enthält erstaunliche Beispiele seiner Arbeit, nicht nur in seinem Drumming, sondern auch in Texten. Die Coda von "Paper Wings" hat einen super Drumpart in Multitracks, und einige der besten Texte auf dem Album entstammten Mels Feder:
     "Ich schrieb den ganzen Text von "Paper Wings". In "Negative Earth" hatte Les diese Sache, die ich nicht aus meinem Kopf bekommen konnte, und ich schrieb alles außer "For fifty-five days". Es bedeutete mir etwas, und ich mag die Alliteration von "here in sycopated time, while my tangled web of rhyme….". Ich dachte einfach, wie isoliert dieser Typ ist. Bei "Paper Wings" war ich auf dem Eiffelturm, und ich habe nicht die Gabe, daß mein Kopf Höhen verträgt, also kam ich nur bis zum ersten Absatz. Der Rest der Jungs ging nach oben und ich kam herunter, und da ist eine Plakette da unten und ein Abdruck im Boden – es ist wie "Suicide", wurde er geschubst, oder ist er gesprungen? Er war im Grunde "ein gebrochener Mann ohne Traum", denn wenn er sprang und nicht fliegen konnte, war es ein zerbrochener Traum, oder wenn ihn jemand schubste, dann ist es noch immer eine Vision, die als Loch im Boden endete. Ich würde gern mehr machen. Auf "Turn Of The Tide" sind die Texte nicht meine, aber ich trug einige anfängliche Ideen bei wie "I’m like a train off the tracks". "Back To The Wall" war auch ein bißchen so. Ich mag Texte, aber bei so guten Textern wie unseren ist es sehr schwer."

Mel hinter dem Kit, 1978

Das 1974er Album "Barclay James Harvest Live" und "Time Honoured Ghosts" von 1975 sind hervorragende Beispiele für Mels Arbeit. Von der treibenden Kraft von "Medicine Man" bis zu den subtilen Cymbals in "Hymn For The Children" oder den Drumrolls in "Moongirl" setzte Mel kaum einen Fuß falsch (oder kaum eine Hand!) und etablierte sich als einer der besten Schlagzeuger seiner Generation. Nach dem Weggang von Woolly Wolstenholme 1979 verkaufte Barclay James Harvest weiterhin riesige Zahlen von Platten im kontinentalen Europa, vor allem in Deutschland, mit einem softeren, kommerzielleren Stil. Mel trug weiterhin durch die Achtziger und Neunziger das Fundament des Bandrhythmus' bei, sogar nachdem er nach einem Unfall ein bleibendes Hinken davontrug. Mit dem kommenden digitalen Zeitalter stieg er auf ein elektronisches Drumkit um, was sich leichter spielen ließ, obwohl viele Fans das Fehlen seines unnachahmlichen akustischen Sounds bedauerten.

Nachdem das Album und die Tour von 1997 schlecht angekommen waren, zersplitterte die Band, und Gitarrist John Lees begann ein Album unter dem vereinbarten Namen "Barclay James Harvest Through The Eyes Of John Lees" aufzunehmen, zusammen mit dem originalen Keyboardmeister Woolly Wolstenholme. Mel wurde eingeladen, dem Projekt beizutreten und sagte anfangs auch Ja, überlegte es sich dann aber anders. Stattdessen teilte sich die Band im Effekt in die ursprünglichen Partnerschaften aus den Sechzigern auf, und Mel trat dem Bassisten Les Holroyd für sein 2002er Revolution Days Album und Tourneen unter dem Namen Barclay James Harvest Featuring Les Holroyd bei.

Mel wurde auf Tour von einem zweiten Drummer unterstützt, zuerst Chris Jago und später Roy Martin, die ihm eine Menge der Arbeit von den Schultern nahmen und es der Band ermöglichten, sowohl akustische als auch elektronische Drums zu benutzen. Auch wenn er in späteren Jahren manchmal müde und unwohl aussah, brachte er weiterhin Leben in jede Tourparty, und bis zu den letzten Konzerten, die er spielte, beim "Art On Ice" Spektakel in Zürich, bog sich der Rest der Band backstage vor Lachen über seine Witze und Schlagfertigkeit.

Mel im Interview, 1990

Das Leben eines Rockstars forderte schließlich seinen Preis, und Mel war noch vor 1990 geschieden. Er lebte allein in einer Wohnung in der Ortschaft Greenfield in Saddleworth. Seine Hobbies umfaßten Science Fiction-Bücher, vor allem von Frank Herbert, Squash spielen und Sport im Fernsehen sehen - er war ein lebenslanger Fan des Fußballclubs Oldham Athletic. Er hatte zu Hause viele Freunde, die sich an seine ehrliche Wärme und seinen Sinn für Humor erinnern werden. Bei Mel gab es kein Aufschneiden eines Rockstars - was man sah, war genau das, was man bekam, ein ehrlicher und mit beiden Beinen auf dem Boden stehender Mann, der sein eigenes Talent mit einem bescheidenen Witz belachte. Als er zu Hause am Morgen des 28. Januars 2004 nach einem Herzinfarkt tot aufgefunden wurde, floß jede Menge Trauer nicht nur unter denen, die ihn kannten, sondern von den Fans, die mit seiner Musik aufgewachsen waren und die seine großartigen Liveauftritte gesehen hatten.

Mel hinterläßt ein wunderbares aufgenommenes Erbe seiner Arbeit, wie auch die Freude in seinem Leben als Musiker:
     "Man kann auf der Bühne stehen, man kann Musik spielen, die man mag, man kann in ein Studio gehen, man trifft Leute. Wir sind alle aus der Arbeiterklasse, und es ist ein einfacher Fahrschein ins Paradies, oder? Ich möchte behaupten, daß ich so viel zurückgegeben habe, wie mir die Musikindustrie gegeben hat. Das andere mit der Musikindustrie ist, daß man ein Leben leben kann, wo man ehrlich zu sich selbst ist, und ich meine das in der nettesten Weise. In diesem Business hat man die Freiheit, genau das zu sein, was man sein will."

Er hat diese Freiheit voll ausgeschöpft, und unsere Welt ist dadurch ein schönerer Ort. Danke, Mel.

Keith Domone, 2. Februar 2004


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